Lektorat

Meine Texte sind mittelmäßig, aber meine Überarbeitungen sind spitze. – David Ogilvy


  1. Was bringt ein Lektorat?
  2. Inhaltslektorat – Struktur, Tiefe und Spannung
  3. Stil-Lektorat – Klarheit und Originalität
  4. Wenn es mehr braucht: Dramaturgische Begleitung
  5. Fazit

Was verbindet einen trinkfesten Nobelpreisträger, einen dystopischen Visionär, einen marathonlaufenden Japaner und einen Horror-Meister?

(a) sechszehige Katzen
(b) eine Jazzbar
(c) Triskaidekaphobie
(d) elf Regeln der Teezubereitung
(e) ein kreatives Lektorat

↓ Auflösung unten ↓

Was bringt ein Lektorat?

Der Weg von den ersten Zeilen bis zum fertigen Text ist aufregend und erfüllend, aber oft auch unerwartet zeitaufwendig und steinig. Spätestens wenn nach dem Schreiben die Si­sy­phus­ar­beit beginnt, verschwindet so manches Manuskript auf unbestimmte Zeit in der Schublade. Hier kommt das Lektorat ins Spiel. Es unterstützt nicht nur dabei, einen Text druckreif zu machen, dessen Stil, Verständlichkeit und Dramaturgie zu prüfen und Grammatik sowie Zeichensetzung den aktuellen Regeln anzupassen. Eine Lektorin motiviert auch und hilft mit konstruktivem Feedback dabei, am Ball zu bleiben.

Sollte ich meinen Text zuerst selbst lektorieren?

Ja, unbedingt. Wenn ein Text schon eine oder mehrere Überarbeitungen durchlaufen hat, kann ich mich im Lektorat auf den Feinschliff konzentrieren und noch mehr aus deiner Geschichte herausholen. Das Selbstgeschriebene kennen wir als Autoren und Autorinnen nach einer Weile so gut, dass wir es nur schwer mit der nötigen Distanz betrachten können und deswegen Logikfehler oder Stilbrüche ausblenden. Hier hilft ein erstes Feedback von Bekannten, Freunden und Familie. Wer es anonymer mag, nutzt Testlesungen kostenlos oder für einen geringen Monatsbeitrag online, z. B. im Autorenclub. Sie schützen davor, sich zu lange mit der Überarbeitung einer bestimmten Stelle aufzuhalten, und können inspirieren.

Nach diesen ersten Durchgängen ist ein inhaltliches Lektorat der übliche Weg, um das Manuskript oder Teile davon auf eine Veröffentlichung vorzubereiten. In dieser Phase der Textarbeit geht es darum, das Manuskript, üblicherweise im Kontext des Genres, dramaturgisch zu schärfen, dessen Einzigartigkeit herauszustellen und von anderen Projekten abzugrenzen. Hieran knüpft ein stilistisches Lektorat an, bei dem ich den Text auf einer rein sprachlich-stilistischen Ebene überprüfe und mir jeden Satz im Detail anschaue. Sollen inhaltliches und stilistisches Lektorat zeitgleich ablaufen, bietet sich ein Gesamtlektorat an.

Inhaltslektorat – Struktur, Tiefe und Spannung

Beim Inhaltslektorat liegt der Fokus auf der inhaltlichen und dramaturgischen Qualität eines Manuskripts. Ich analysiere die Handlung, Figurenentwicklung und Konfliktstruktur, um zu erreichen, dass die Geschichte schlüssig, originell und klar aufgebaut ist. Entwickeln sich die Figuren glaubwürdig? Sind die Handlungsstränge logisch miteinander verknüpft? Baut der Text an den richtigen Stellen genug Spannung auf?

Ein Inhaltslektorat umfasst die Überprüfung des roten Fadens und den dramaturgischen Feinschliff auf Szenenebene.

Zunächst lese ich das Manuskript, um den roten Faden, den Erzählstil und das zentrale Thema zu erfassen. Hierbei liegt der Fokus auf der Struktur der Geschichte, den Charakteren, dem Spannungsbogen und den Erwartungen der Lesenden an das Genre. Ich identifiziere potenzielle Schwachstellen, etwa ungenutztes Konfliktpotenzial, logische Brüche oder Szenen, die mehr Tiefe benötigen. Anschließend richte den Blick auf einzelne Szenen. Wie im Stil-Lektorat nutze ich den Nachverfolgungsmodus und erkläre meine Vorschläge in Kommentaren am Textrand, sodass alle Änderungen und Vorschläge nachvollziehbar sind.

Im Einzelnen prüfe ich den Text auf:

eine klare Struktur
einen starken Spannungsbogen
logische Szenenabfolgen
einen stimmigen Weltenbau
glaubwürdige Figuren
einheitliche Perspektiven
authentische Konflikte
lebendige Dialoge
einen passenden Tonfall
das passende Erzähltempo
Informationsdichte
zielgruppenorientierte Erzählbögen

Am Ende des Lektorats biete ich ein Feedbackgespräch an, um ggf. noch offene Fragen zu den Vorschlägen zu klären.
Zusätzlich sind telefonische oder schriftliche Feedbackgespräche in Form einer dramaturgischen Begleitung möglich.

Stil-Lektorat – Klarheit und Originalität

Anders als das inhaltliche Lektorat, bei dem der Fokus auf einer Optimierung der Textstruktur liegt, sorgt ein stilistisches Lektorat für den sprachlichen Feinschliff. Ein Stil-Lektorat umfasst eine Durchsicht des Textes mit besonderem Fokus auf Sprachfluss, Ausdruck und Stil (nicht Grammatik und Orthografie, die zum Korrektorat gehören). Ziel ist es, den Text ansprechender und klarer zu gestalten, ohne die persönliche Erzählstimme zu verändern. Während ich sprachliche Feinheiten direkt im Text anpasse, weise ich außerdem auf stilistische Schwächen hin und formuliere Verbesserungsvorschläge in Kommentaren.

Ein Manuskript arbeite ich auf diese Weise im Nachverfolgungsmodus kapitelweise einmal vollständig durch.

Im Einzelnen prüfe ich den Text auf:

klaren Satzbau
Verständlichkeit und Lesefluss
Perspektivtreue
abwechslungsreiche Sprachbilder
konsistente und glaubwürdige Sprechweise der Figuren
lebendige, ausdrucksvolle Sprache
einzigartigen Stil
kontext- und zielgruppenspezifische Wortwahl
passende Tonalität
Satzmelodie
Tempo und Rhythmus


Rechtschreib- und Interpunktionsfehler, die mir bei der Stilprüfung auffallen, korrigiere ich mit. Das Stil-Lektorat beinhaltet aber kein Korrektorat, denn eine Rechtschreibprüfung erfordert einen anderen Fokus als ein Lektorat und dadurch einen eigenständigen Durchgang. Falls du selbst kein Rechtschreib-Ass bist, solltest du vor einer Veröffentlichung auf jeden Fall auch ein Korrektorat einplanen, oder du buchst es für einen Aufpreis im Stil-Lektorat dazu.

Nach Abschluss des Lektorats kannst du dich in Ruhe mit meinen Anmerkungen befassen und offene Fragen im kostenlosen Abschlussgespräch klären.

Wenn es mehr braucht: Dramaturgische Begleitung

Nicht immer ist ein Lektorat allein ausreichend, vielleicht wünschst du dir stattdessen eine Schreibbegleitung, die dir etappenweise Feedback gibt und mit der du noch unausgereifte Ideen diskutieren kannst. Hier bietet sich eine dramaturgische Begleitung an – oft ergänzend zu einem Lektorat, wenn bereits ein fertiges Manuskript vorliegt. In Einzelgesprächen (per Videocall oder telefonisch) oder in einem E-Mail-Austausch besprechen wir deine Themen im Detail. Das können bestimmte Textstellen sein, das Konzept des Buches, allgemeine Fragen zum Schreibprozess, eine erste Buchidee oder praktische Fragen zum Thema Exposé, Verlagssuche und Self-Publishing. Die Kosten für eine dramaturgische Begleitung liegen bei 50 Euro pro Stunde (Beratung plus Lesezeit).

Fazit

Ein Lektorat ist sinnvoll, wenn du planst, dein Buch zu veröffentlichen und damit eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen. Außerdem ist es auch eine gute Möglichkeit, die eigene Schreibkunst zu verbessern und neue Blickwinkel auf einen vertrauten Text zu gewinnen.

Und die Antwort auf die Quizfrage?
Der trinkfeste Nobelpreisträger Hemingway hielt sich sechszehige Katzen. Der ambitionierte Marathonläufer Murakami betrieb eine Jazzbar, bevor er Schriftsteller wurde. Orwell folgte einem elfstufigen Plan zur perfekten Teezubereitung, und der berüchtigte Horror-Meister Stephen King fürchtet sich wahrscheinlich noch heute vor der Zahl 13. So unterschiedlich ihre Eigenheiten auch sind, eines haben ihre Bücher alle gemeinsam: ein kreatives Lektorat.